Reisebericht Ahrenshoop

Das Fischland ist fast wie meine zweite Heimat.

Jedes Mal, wenn ich dort bin, fühle ich mich wie zu Hause und die Erinnerungen der letzten Besuche kommen hervor. Gerade noch vor ein paar Jahren stand ich mit dem Lenkdrachen am Strand und musste feststellen, dass Lenkdrachen nicht alleine fliegen – stand mit anderen Jugendlichen in der kleinen Dorfkneipe und hab den Boxkämpfen von Henry Maske zugejubelt – saß vor dem kleinen DDR Bungalow mit Grill und Bier – schleppte (gefühlte) Tonnen an Steinen vom Strand als Mitbringsel mit oder quetschte mich neben meinen Brüdern auf die Rücksitzbank im Trabant. Alles fühlt sich wie gestern an und wie die Straße in der man aufgewachsen ist.

Jedes Mal, wenn ich am Strandzugang stehe und Richtung See starre sage ich mir:

Man, die Ostsee ist gar nicht so weit weg von Berlin und trotzdem sind die Besuche eher selten gesät.

Dabei kann man die Ostsee zu jeder Jahreszeit besuchen. Egal, ob es schneit, die Sonne scheint, es windet oder regnet. Ok, Regen muss nicht sein, aber der Rest ist spannend. Seid Ihr schon einmal bei Sturm direkt an der Ostsee gewesen und habt euch bei starkem Wind auf der Seebrücke festgeklammert? Seebrücken sind Brücken, die das Wasser mit dem Land verbinden. Man läuft praktisch 500m in das Meer und kann dann fröhlich zum Strand blicken. Irgendwann wurden diese halben Brücken trendy. Jeder Badeort brauchte eine und irgendwie sind die Dinger auch toll, aber man fragt sich schon: Wozu braucht man das? Zumindest einige Angler freuen sich, dass es Ihnen erspart bleibt Bauchtief im kalten Wasser zu stehen. Korrekterweise muss man natürlich dazu sagen, dass man auf einer Seebrücke nicht angeln darf. Eigentlich darf man auf den Brücke gar nichts machen außer gucken und laufen.

Es ist Juni, Sommer, Gewitterzeit und wir fahren zur Ostsee.

Pünktlich zum Feierabend sitzen wir im Auto und fahren aus Berlin raus in Richtung Fischland/ Darß. Es geht nach Ahrenshoop. Ein kleines Dörfchen direkt an der Ostsee.

Ahrenshoop ist kein großes Dorf, aber es gibt eine Menge zu sehen.

Neustes Highlight ist das Kunstmuseum Ahrenshoop. Eine moderne Architektur mit Orientierung an der regionalen Bautradition von rohrgedeckten Fischerhäusern – allerdings im Metallkleid. Genauso wie die Rohrdeckung der alten Häuser altert auch die neue Fassade und wird somit ein Teil der Geschichte. Warum baut man ein Kunstmuseum an der Ostsee und was soll da ausgestellt werden – Badehosen etwa? Dieses kleine Fischerörtchen hat noch mehr zu bieten und war einst eine bedeutsame Künstlerkolonie. Zwar gibt es heute nicht mehr so viele Künstler wie einst, aber man spürt die kreative Geschichte, wenn man gut genau hinsieht. Aber die kleinen Künstlerhäuser verstecken sich gut unter den großen Rohrdächern.

Die Bunte Stube mitten im Ortskern ist als Gebäude selbst ein kleines Kunstwerk. 1929 im Bauhausstil errichtet bietet sie Allerlei aus der Buch- und Kunsthandwerkwelt. Dabei hat das Haus nicht einmal ein historisches Reetdach und will trotzdem dazugehören. Läuft man 100m weiter steht man direkt am Strand und schaut Richtung Westen. Der Sonnenuntergang ist also gesichert. Dazu der feine Sand, die harte Steilküste und die rauhe See – so etwas bietet die Karibik nicht. Warum also in die Ferne reisen, wenn das Glück doch so nah ist. Die Palmen fehlen, aber dafür gibt es Möwen.

Für mich sind die Ausflüge an die See wie ein Sprung in die Natur. Dank einiger Schutzgebiete gibt es diese einzigarte Natur noch und wird hoffentlich auch weiterhin geschützt, denn das ist genau das, was diese kleine Halbinsel im Norden so einmalig macht. Durchatmen, saubere klare Luft schnuppern, auf das Wasser starren und mitten in der Natur stehen. Dabei die Seele baumeln lassen und der Stadthektik entfliehen. Mehr brauch man eigentlich nicht.

Der erste kurze Rundgang durch das Dorf fühlt sich gut an.

Am Bodden wandern wir entlang der Ortsgrenze und Richtung Hafen, wo u.a. das Räucherhaus wartet. Hier soll man hervorragend Fisch essen können. Leider war das Glück nicht auf unserer Seite und wir hätten reservieren müssen. Schade, dabei hatten wir viel Gutes von dem kleinen Restaurant gehört und der Gaumen hatte sich auch schon gefreut.
Ein Blick auf den Hafen wird trotzdem gemacht. Beim Thema Hafen sollte man nicht an Hamburg denken. Es ist ein kleiner Hafen und möglicher Startpunkt für Ausfahrten mit Zeesenbooten. Die kleinen Fischerboote, die sich ordentlich schräg in den Wind legen können. Sollte man mal gemacht haben.

Fisch gab es am Ende des Abends trotzdem und den Cocktail zum Sonnenuntergang auch. Diesen kann man hervorragend auf der Dachterrasse des Kurhotels genießen. Auch wenn mir der Hotelneubau widerstrebt, da er für meine Begriffe etwas zu groß für das kleine Dörfchen geraten ist, bietet die Terrasse einen atemberaubenden Ausblick. Die Cocktails waren auch super, der Service freundlich nett und das Wetter perfekt. Das Gebäude war am Ende des Abends immer noch zu groß.

Nach ein paar guten Cocktails und leicht angefroren (ohne Sonne wurde es doch schnell frisch) sind wir wieder zurück in das Ferienhaus von Freunden. Weit mussten wir nicht laufen, denn wir waren fast die Nachbarn vom Kurhotel. Das kleine Ferienhaus von unseren Freunden besitzt keine typische Ferienhauseinrichtung, sondern eine stilvolle und dem Haus entsprechende Einrichtung. Als kleiner Designfreak freut man sich darüber, wenn man Geschmack auch beim Inferior zeigt und ein Ferienhaus nicht komplett gefliest ist. Da mache ich auch gerne einen kleinen Arbeitseinsatz am Rasenmäher an der Ostsee.

Nach einem ausgedehnten Sonntagsfrühstück auf der Terrasse ging es Richtung Meer.

An der Ostsee wandern steht auf dem Programm. Entlang der Steilküste führt ein schöner Wanderweg, der die beiden Badeorte Ahrenshoop und Wustrow verbindet und Natur pur bietet. Man darf sich das nicht entgehen lassen, denn kurz vor Wustrow gibt es u.a. den Bakelberg. Mit stolzen 18m über dem Meeresspiegel ist der Berg die höchste geografische Erhebung der Halbinsel. Überwindet man diesen unglaublichen Anstieg, hat man einen wunderbaren Ausblick auf Ostsee und den Saaler Bodden.

Ein paar Schritte weiter kann man die Spuren der Geschichte in Form einiger letzter Bunker sehen, die sich nach und nach verabschieden und von der Ostsee verschlungen werden. Die Natur ist eben doch stärker als jedes Bauwerk. Noch vor einigen Jahren konnte man um einige Bunker herumlaufen und vor einigen Jahrzehnten bin ich noch zwischen, vor und über die Bunker als Kind umher getobt. Heute liegen viele der Betonklötze in der Ostsee und werden nach und nach mürbe gemacht. Dabei kann man auch gut beobachten wie schnell und stark die Steilküste abbricht. In einigen Jahren wird wohl auch der letzte Bunker im kalten Ostseewasser liegen.

Hej, ich bin Björn und Du bist auf meinem persönlichen Reiseblog gelandet.

Auf diesen Reiseblog detailjaeger teile ich mit Dir meine Freude am Reisen, wo man gutes Essen bekommt, schöne Unterkünfte bucht, die Liebe zur Fotografie und zum Entdecken.

Reisen macht glücklich und ist wichtig. Nur so kann man lernen die Welt und die Kulturen zu verstehen.

Comments(5)

  • Jens
    3. August 2016, 13:32  Antworten

    Super Text, kommt mir alles sehr bekannt vor, die Trabant Fernreise Fahrten in die BMK Feriensiedlung Wustrow (in den 70iger Jahren),..in der „Kneipe“ jetzt Sonnenhof mit meinen kleinen Bruder Bier trinken, am Ruder vom Zeesenboot bei Windstärke 3 …4,…und seit 1990 jedes Jahr wieder 1..2 mal nach Wustrow.

  • 20. August 2016, 16:56  Antworten

    Hallo Björn, ich habe dich nominiert: http://beautynise.blogspot.de/2016/08/ich-wurde-nominiert-liebster-award.html
    Ich hoffe, du freust dich 🙂

    Denise von http://beautynise.blogspot.de/2016/08

    • 20. August 2016, 17:26

      hej denise! vielen dank für die nominierung. dann gibts also bald einen pinken herzchen post 😉
      ich werde probieren schnellmöglichst meiner pflicht nachzukommen 🙂

      viele grüsse
      björn

  • 5. November 2016, 18:44  Antworten

    Toller Bericht, der macht richtig Lust auf mehr! Die Ostsee steht schon lange auf meinen „to do“ Plan für meine zwei Hunde und mich 🙂 Die Bilder sind auch wahnsinnig schön… Danke für das Teilen! LG, Ju xx

    • 5. November 2016, 22:56

      Vielen Dank 🙂
      Viel Spass an der Ostsee und beim Geniessen dieser schönen Landschaft und Natur.

      Viele Grüsse
      Björn

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